„La Scuola di Salieri"
Wien um 1800 war keine Stadt – sie war eine Schule. Jeder lernte von jedem, jeder war gleichzeitig Schüler und Lehrer, Vorbild und Nachfolger. Gluck formte Salieri. Salieri formte Mozart, Beethoven, Schubert. Mozart und Schubert formten alles, was danach kam. Und Liszt? Er nahm Schubert und erschuf ihn neu.
Diesen Gedanken – Musik als ewige Weitergabe, als lebendiges Gespräch über Generationen – nimmt Carlo Benedetto Cimento, Conductor in Residence der KALA Chamber, zum Anlass für einen außergewöhnlichen Abend. Im 200. Todesjahr Antonio Salieris, rückt er einen der meistunterschätzten Komponisten seiner Zeit ins Zentrum. Salieri, geboren in Legnago, war in Wien die musikalische Schaltzentrale einer ganzen Epoche – Hofkapellmeister, Opernkomponist, und Lehrer fast aller Großen seiner Zeit.
Das Programm erzählt diese Geschichte ohne Worte. Salieris funkelnde Sinfonia aus La Scuola de' gelosi eröffnet den Abend – und der Titel ist Programm: die Schule der Eifersüchtigen. Mozart antwortet mit der Ouvertüre zu Così fan tutte, jenem Werk, das denselben Geist atmet. Schuberts Wanderer Fantasie, von Liszt für Klavier und Orchester neu gedacht, zeigt wie ein Genie das Werk eines anderen in sich aufnimmt und verwandelt. Nach der Pause führt Glucks Orfeo ed Euridice – in der Revision von Berlioz – in die Unterwelt und zurück, mit dem berühmten Dance of the Furies und dem seligen Ballet of the Blessed Spirits. Den Abschluss bildet Salieri selbst: seine 26 Variationen über La Folia di Spagna – virtuos, vielschichtig, unerschöpflich.